Genealogie in Religionen und Kulturen des Altertums

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Genealogie in Religionen und Kulturen des Altertums

CSG-V | Call for papers: Workshop

Appel à contributions
Date limite : 25.02.2010

 

The workshop aims at a comparative study of different genealogical evidence of religions and cultures of the Orient, the Mediterranean and the Black Sea area between the third millennium BC and the early Middle Age

Annonce en pdf.

Lieu de la manifestation : Freie Universität Berlin, Topoi Building Dahlem, Hittorfstraße 18

Dates : 18.05.2010 - 19.05.2010

Organisation : Prof. Dr. Almut-Barbara Renger (CSG-V, FU Berlin), PD Dr. Isabel Toral-Niehoff (FU Berlin), Dr. Kerstin P. Hofmann (CSG-V, DAI Berlin)

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Genealogie – als Ableitung der Herkunft in Form von Ahnenreihen in aufsteigender und Nachkommen in absteigender Linie – war in frühen, durch Familienverbände geprägten Gesellschaften ein häufig verwendetes Mittel der Legitimation und (vermeintlich) historischen Erinnerung. Genealogisch miteinander verknüpfte Personen gehörten zu einer „Verwandtschaft“ („kinship“, „Sippe“). Diese bildete, ob fiktiv oder real, eines der wesentlichen Ordnungsprinzipien, das Individuen und Gruppen in Raum und Zeit verortete. Ganze Völker, Stämme und Herrscherdynastien konstruierten so ihre Identität, insbesondere dort, wo Religionen (oder von Religionen abgeleitete Ordnungen) Klassen, Stände, Kasten u.ä. bildeten. In manchen Kulturen war dieses Ordnungs- und Deutungsmuster so allumfassend, dass jegliche Gruppenbeziehungen als Blutsverwandtschaft imaginiert wurden.
Seinen Ausdruck fand das Genealogieprinzip – die Produktion von Systemen verwandtschaftlicher Beziehungen – in Texten und anderen Medien, deren primäres Ziel die Übermittlung genealogischer Informationen über die darin erwähnten Personen war. Überliefert sind uns einfache Textformen wie Listen, aber auch komplexe genealogische Narrationen wie Mythen, fiktive Genealogien und andere Gattungen religiöser Traditionsliteratur wie z.B. exegetische Texte. Diese Zeugnisse erlauben vielfältige Schlüsse nicht nur über Formen von Genealogien und ihren „Sitz im Leben“ (z.B. historische und theologische Diskurse; Herrschafts- und Amtsnachfolge; beruflicher Status und Eigentumsrechte; Erinnerungsrituale und Bestattungssitten). Sie erteilen auch Aufschluss über die Funktionen behaupteter verwandtschaftlicher Beziehungen: Genealogie dient regelmäßig der Konstruktion kollektiver Identitäten, indem sie eine Deutung für den (häufig mythischen) Ursprung einer Gemeinschaft gibt und diese (oftmals durch Berufung auf göttliche, heroische, königliche, priesterliche Abstammung) von anderen abgrenzt; sie interpretiert, normiert, stabilisiert und legitimiert aber auch gegenwärtige Verhältnisse, indem sie eine zeitliche Kontinuität konstruiert und das Kollektiv im Raum verankert. Ferner überbrückt Genealogie die Distanz von Raum und Zeit, indem sie einen Bezug zur Vergangenheit herstellt und vergangene Zeit rhythmisiert. Zugleich enthält sie vielfach eine religiöse Botschaft, die in mythische Zeit zurück oder in die Zukunft (Verheißung) weist.
Ziel dieses Workshops ist die vergleichende Untersuchung genealogischer Zeugnisse von Religionen und Kulturen des Alten Orients, des Mittelmeer- und Schwarzmeergebiets zwischen dem 3. Jt. v. Chr. und dem frühen Mittelalter. Gefragt wird nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden, Möglichkeiten und Grenzen des Vergleichs. Dabei spielt eine zentrale Rolle die interdisziplinäre Betrachtung des Raumes. In den zu untersuchenden Religionen und Kulturen stellt Raum ein konstitutives Element der Genese und Transformation religiöser, kultureller und gesellschaftlicher Traditionen und Identitäten dar; Genealogie, Verwandtschaftsbeziehung und Geographie bildeten ein enges Beziehungsgeflecht. So wird auch in der Konstruktion von Genealogien und Verwandtschaftsbeziehungen auf sich verändernde Raumvorstellungen bzw. -verhältnisse Bezug genommen. Als richtungweisendes Paradigma kann hier die etablierte Forschung zu den biblischen Genealogien dienen, da sie ein ausdifferenziertes methodisches Instrumentarium zur Verfügung stellt. Dies bietet sich umso mehr an, als diese Genealogien von vielen der zu behandelnden Religionen und Kulturen, so z.B. im Islam, übernommen und adaptiert wurden. Auszuloten ist aber auch, inwiefern sich strukturelle Analogien der biblischen Genealogien mit denen anderer Kulturen ergeben. Als ein Beispiel soll hier die entscheidende Rolle der Frauen genannt werden, die in dem streng patrilinearen System der biblischen Genealogien eine prominente Funktion als differenzierendes und dynamisierendes Element spielen.
Beiträge:
Erwünscht sind insbesondere Beiträge zu Zeugnissen aus den altorientalischen Reichen Vorderasiens (Mesopotamien, Iranisches Hochland, Levante, Kleinasien/Anatolien) und Ägyptens, aus Griechenland und Rom sowie zu Religionen, die bis in die Gegenwart fortwirken, wie Judentum, Christentum und Islam. Die Vortragslänge beträgt 25 bis maximal 30 Minuten mit anschließender 15minütiger Diskussion. Vorschläge mit Vortragstiteln sowie Abstracts von höchstens 250 Worten und einigen biographischen Hinweisen sind bis zum 25.02.2010 per Email einzureichen an:
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Source : Excellence Cluster Topoi.

 

 

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